2019: Kindergarten in Maralik renoviert und eingeweiht

Romi umd Mike Baronian im Oktober 2019 bei der Einweihungsfeier.

Zur Einweihung gibt es einen kleinen Film: Hier klicken.

Der Kindergarten im armenischen Maralik war in einem so schlechten Zustand, dass die Kinder im Winter zu Hause bleiben mussten. Dank Schaffhauser Hilfe ist er jetzt umfassend renoviert worden. Benannt worden ist er nach einer grossen Unterstützerin: Romi Baronian.

Zeno Geisseler

Maralik, man kann es nicht anders sagen, ist ein armenisches Provinznest. Anderthalb Stunden geht es auf holprigen Strassen von der Hauptstadt Jerewan nordwestwärts, bis ganz in die Nähe der türkischen Grenze. Dort liegt das Dorf auf etwa 1700 Metern über Meer. Zu Sowjetzeiten gab es hier oben noch so etwas wie eine Industrie. Doch seit der südkaukasischen Republik ­unabhängig ist, stehen die Fabrikhallen leer.

Armenien ist heute weitgehend landwirtschaftlich geprägt, und das wenige Geld, das der Staat zur Verfügung hat, fliesst in die Armee. Die Beziehungen vor allem zum östlichen Nachbarn Aserbaidschan sind angespannt, aber auch mit der Türkei ist es kompliziert. Niemals werden die Armenier den Türken den Völkermord von 1915 verzeihen. Die Grenzen zur Türkei und zu Aserbaidschan sind seit Jahren dicht. Vor allem an der Ostgrenze kommt es immer wieder zu Schiessereien. Das Land lehnt sich politisch, wirtschaftlich und militärisch stark an Russland an.

Fünf Grad warm im Kindergarten

Von all dem ist bei einem Besuch einer Schaffhauser Delegation Anfang Oktober 2019 in Maralik nichts zu spüren. Im Gegenteil: Die Stimmung ist entspannt und feierlich. Das Dorf feiert die Einweihung seines renovierten Kindergartens. Rund 300 000 Franken hat die Schaffhauser Stiftung «Hilfe für Armenien» in das Projekt investiert. Den grössten Einsatz haben Romi und Mike Baronian geleistet. Der Pharma-Unternehmer und frühere Cilag-Chef und seine aus Schaffhausen stammende Frau engagieren sich seit vielen Jahren in Armenien, ideell, personell und finanziell. Mike Baronian hat schon 2007 mit seiner Firma Azad einen Standort im Land aufgebaut.

Im Februar 2018 stand Romi Baronian zum ersten Mal im Kindergarten von Maralik, der noch aus Sowjetzeiten stammt. «Drinnen war es gerade mal fünf Grad warm», erinnert sie sich. «Es war so kalt, dass die Kinder nach Hause geschickt worden waren.»

Ein Kindergarten ohne Kinder? Das war der Normalfall. Von Oktober bis April war der Kindergarten nicht in ­Betrieb. Das Gebäude war in einem trau­rigen Zustand. Feuchte Wände, offene ­Böden, zugige Fenster. Aber die Substanz war in Ordnung. Romi Baronian sah Potenzial. Ihr Mann trug dann den Vorschlag in die Schaffhauser Stiftung Hilfe für Armenien, den Kindergarten zu renovieren.

Rund 300 000 Franken brauchte es dafür. Eine Summe, welche die Stiftung dank zahlreichen Gönnerinnen und Gönnern vor allem aus der Region Schaffhausen aufbringen konnte. Romi Baronian begleitete das Projekt eng. Unter anderem teilte sie die Räume im Gebäude neu auf, damit die rund 120 Kinder zwischen drei und fünf Jahren besser betreut werden können.

Anfang Oktober nun konnte der renovierte Kindergarten eingeweiht werden. Und: Er wurde ganz offiziell in Romi-Baronian-Kindergarten umgetauft. Eine kleine Anerkennung für jene Frau also, die sich so sehr für das Projekt eingesetzt hatte. Mike Baronian erhielt zudem das Ehrenbürgerrecht von Maralik. Später am Abend lud der Gemeindepräsident die Schweizer zu einem Festessen.

Armeniens First Lady kam auch

Mehrere Hundert Personen hatten sich zur Einweihung eingefunden, darunter auch zahlreiche Kinder. Eine Mädchengruppe führte traditionelle Tänze auf, während die kleineren Kinder sofort den neuen Spielplatz in Beschlag nahmen.

Der ganze Anlass wurde von mehreren Medienteams begleitet. Sie waren wegen einer Frau gekommen: Ehrengast an der Eröffnung war Anna Hakobyan, die Frau des armenischen Premierministers Nikol Pashinian.

Ihre Leibwächter wurden kurz unruhig, als Mitglieder der Schaffhauser Stiftung plötzlich mit Schaufeln vor ihr standen. Doch schnell war klar, was das Ziel war: Im Garten vor dem Kindergarten sollte ein Bäumchen gepflanzt werden. Das ist Tradition. Und so schippte auch die First Lady Armeniens eine Schaufel Erde. Für die Stiftung – und auch für Maralik – ist ein so ­hoher Besuch eine Ehre. Damit verbunden ist aber auch die Hoffnung, dass die Regierung ihren Blick vermehrt auch in Regionen jenseits der Hauptstadt wirft.

Nach dem Durchschneiden eines Bandes und dem Segen des Gemeindepriesters ­besichtigte die Festgemeinde die Räume. Es gibt mehrere Spielzimmer und Schlafräume – in Armenien ist es üblich, dass die Kinder über Mittag ein Schläfchen halten. Für das Personal hat es eine moderne ­Küche und Aufenthaltsräume.

Die sani­tären Anlagen stammen von Geberit, die Wasserhähne von Grohe. «Wir wollen die beste Qualität zum günstigsten Preis», sagt Romi Baronian. Weite Teile der Einrichtung, etwa das Mobiliar, stammen von einem lokalen Zulieferer.

Viele wichtige Arbeiten sind nicht so ohne Weiteres ersichtlich. So wurde zum Beispiel das Fundament isoliert, damit die Tuffsteinwände nicht so viel Feuchtigkeit ziehen. Zudem wurden Bodenheizungen und Radiatoren installiert und durch­gehend neue Fenster eingebaut.

Doch hätte man nicht gleich besser einen Neubau hingestellt? «Diese Frage haben wir uns im Stiftungsrat durchaus auch ­gestellt» sagt Mike Baronian. «Aber das hätte uns 200 000 bis 300 000 Franken mehr ge­kostet.»

Für die Stiftung ist Maralik das siebte grosse Projekt. In früheren Jahren engagierte sie sich in Proshian, einem Vorort von Jerewan, und in Aygehovit, ganz im Nordosten des Landes an der Grenze zu Aserbaidschan.

Dort wurden ebenfalls Kindergärten ­erneuert, dazu auch Tageskliniken. Unterstützt wurde die Stiftung dabei unter anderem vom Kanton Schaffhausen. Die Projekte werden regelmässig besucht. Das sind mehr als nur Kontrollgänge.

«Die Leute schätzen es, dass man sie nicht vergisst», sagt Romi Baronian.

 

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